Kleintierpraxis am Hafen

Dr. med. vet. Micaela Peters, prakt. Tierärztin

     

Insekten

Es krabbelt auch sechsbeinig auf unseren Haustieren - leider Gottes. Zu guter Letzt noch die Insekten (und wie man sie wieder los wird).


Flöhe
Flöhe haben sich zusammen mit ihren Wirten entwickelt und zwar nur bei denjenigen Tierarten, die regelmäßig ein Nest oder eine Höhle aufsuchen, also bei Hunden, Katzen, Kaninchen und Igeln, nicht aber bei Meerschweinchen. Denn von einer Flohpopulation, bestehend aus Eiern, Larven, Puppen und erwachsenen Tieren, leben nur die Erwachsenen, etwa 5 % der Flöhe, auf dem Wirt, alle anderen im Nest oder in der Höhle. Daher sind Flöhe für das Weiterbestehen ihrer Art auf sesshafte Tiere angewiesen.

Flöhe leben vom Blut ihrer Wirtstiere, bei einem massenhaften Befall kann es zu Blutarmut und Kräfteverfall kommen. Außerdem ist Flohspeichel der häufigste Auslöser für eine Allergie bei Hund und Katze.

Diese Tatsache muss auch bei der Flohbekämpfung beachtet werden: Es nützt nichts, die erwachsenen Flöhe auf dem Haustier abzutöten, wenn nicht gleichzeitig die anderen Stadien erfasst werden, mit einer Ausnahme: Flohpuppen können mit keinem Flohbekämpfungsmittel erreicht werden, es muss also in jedem Fall nach einiger Zeit eine zweite Behandlung erfolgen, um auch die inzwischen neu geschlüpften Flöhe zu erreichen.

Floh

Wir haben es mit verschiedenen Floharten zu tun: Hunde-, Katzen-, Menschen- und Igelflöhen. Am häufigsten kommt der Katzenfloh vor, der den Hundefloh fast völlig verdrängt hat, gefolgt vom Igelfloh, während Hunde- und Menschenflöhe heute sehr selten sind.

Im Laufe seines etwa dreiwöchigen Lebens legt ein Flohweibchen bis zu 2500 Eier, die aus dem Fell des Wirtstieres herausrieseln und sich auf dem Teppich, auf dem Sofa und den Lagerstätten des Tieres sowie im Garten verteilen. Aus diesen Eiern entwickeln sich innerhalb einiger Tage Larven, die sich von Hautschuppen des Wirtes und vom Kot der ausgewachsenen Flöhe ernähren. Nach mehreren Häutungen verpuppen sich die Larven und können als Puppen bis zu einem Jahr überleben. Bei geeigneten Umweltbedingungen schlüpfen dann irgendwann die erwachsenen Flöhe und befallen wieder Tiere, die nicht unbedingt zur normalen Wirtsart gehören müssen, im Notfall befallen Flöhe jedes warmblütige Tier, also auch den Menschen. Geeignete Umweltbedingungen sind ausreichend Wärme und Luftfeuchtigkeit, diese Bedingungen sind in unseren Wohnungen rund ums Jahr gegeben, so dass jederzeit, auch im tiefsten Winter, mit Flohbefall zu rechnen ist, wenn auch die Hauptsaison im Sommer liegt.

Der Flohbefall kann relativ einfach diagnostiziert werden: In vielen Fällen sieht man nicht die Flöhe selber, die ja fix durch das Fell krabbeln und nur selten gerade da sind, wo man gerade die Haare gescheitelt hat, sondern man findet den Flohkot. Dabei handelt es sich um kleine schwarze Krümelchen, die sich rot verfärben, wenn man sie mit Wasser befeuchtet, da sie aus getrocknetem und verdautem Blut bestehen. Um diese Krümelchen zu bekommen, gibt es zwei bewährte Methoden: Entweder man kämmt das Tier mit einem Flohkamm durch und untersucht die ausgekämmten Fellhaare oder man stellt das Tier auf eine weiße Unterlage (Bettlaken oder in die Badewanne), kämmt es durch und sieht nach, was heruntergefallen ist.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Flöhe zu bekämpfen, wobei immer der Schutz von Mensch und Tier im Vordergrund stehen sollte: Es gibt Präparate, die zwar die Flöhe abtöten, deren Inhaltsstoffe aber auch auf Säugetiere schädigend wirken. Folgende Flohmittel sind erhältlich:

  1. nicht verschreibungspflichtige Sprays, Puder oder Halsbänder aus Supermärkten, Drogerien, Zoohandlungen und Apotheken: Diese Mittel enthalten keine verschreibungspflichtigen Stoffe und sind in der Regel auch nicht wirksam. An diesen Mitteln verdienen die Hersteller und die Händler, die Flöhe lachen sich allenfalls tot. Oder sie enthalten giftige Stoffe, die von den Tieren abgeleckt werden und diese dann schädigen können.
  2. Sprays, die auf das Tier gesprüht werden: Mit der Ausnahme eines Medikamentes, das ausschließlich beim Tierarzt erhältlich ist, fallen diese Präparate in die erste Kategorie, das heißt, sie zeigen keine Wirkung oder sind schädlich für die Wirtstiere. Das eine wirksame Spray vom Tierarzt tötet die Flöhe zuverlässig ab und wirkt mindestens 4 Wochen weiter, da es sich in den Haarwurzeln des Fells ansammelt. Allerdings hat es wie alle am Tier anzuwendenden Sprays die Eigenschaft, dass besonders Katzen die Anwendung gar nicht gut finden und ängstlich bis aggressiv reagieren.
    Und ein zweiter wichtiger Punkt: Sämtliche Sprays sollten nicht von Asthmatikern angewendet werden und das Tragen von Handschuhen sowie eine gute Belüftung des Raumes sollten selbstverständlich sein!
  3. Flohhalsbänder: Es gibt einige gute verschreibungspflichtige (nur beim Tierarzt erhältlich!) Halsbänder, die gegen Flöhe wirksame Stoffe abgeben und dabei gleichzeitig gegen Zecken wirksam sind, ohne die Wirtstiere und den Menschen zu schädigen. Bei der Anwendung dieser Halsbänder ist auf eine ausreichende Weite zu achten, die bei wachsenden Tieren regelmäßig nachreguliert werden muss. Außerdem besteht die Gefahr, dass besonders Katzen mit dem Band irgendwo hängenbleiben und sich strangulieren oder mit einem Vorderbein durch das Band geraten und sich bei Befreiungsversuchen erhebliche Verletzungen zufügen.
  4. Das heutige Mittel der Wahl zur Bekämpfung erwachsener Flöhe sind Tabletten oder Präparate in Ampullenform vom Tierarzt, die in Form weniger Tropfen auf die Haut des Wirtstieres aufgebracht werden und über längere Zeit wirken, indem sie erwachsene Flöhe abtöten. Bei den modernen Mitteln ist es auch nicht mehr notwendig, die Tiere nach der Behandlung bis zu drei Tagen nicht zu berühren, sondern es reicht, wenn man die Applikation abends durchführt, wenn z. B. die Kinder im Bett sind, und morgens, wenn das Präparat eingetrocknet ist, können die Kinder wieder normal mit ihrem Tier schmusen.
    In dieser Gruppe gibt es Präparate, die über die Haut ins Blut der Wirtstiere eintreten und dort mit dem Blutstrom kreisen, so dass sich die Flöhe beim Blutsaugen vergiften. Diese Präparate können Nebenwirkungen in Form von Leberbelastungen auslösen und sollten daher nicht bei Tieren mit einer bekannten Leberschädigung angewendet werden. Außerdem sind bei Kaninchen Unverträglichkeiten bekannt geworden, die bei einigen Tieren sogar zum Tod geführt haben.
    Der Wirkstoff einer anderen Präparategruppe bleibt außen auf dem Wirtstier, reichert sich in den Haarwurzeln an und wird von dort in kleinen Dosen abgegeben. Dadurch vergiften sich die Flöhe schon beim Aufspringen auf ihr Opfer.
  5. kurzwirksame Tabletten: Dabei handelt es sich um ein Medikament, bei dessen Anwendung die Flöhe etwa 15 Minuten nach Tabletteneingabe tot vom Wirtstier fallen. Die Wirkung dieses Präparates hält allerdings nicht sehr lange an, es ist aber gut geeignet, bei massivem Befall eine Behandlung einzuleiten.
  6. Die Antibabypille für Flöhe: Seit einigen Jahren gibt es ein Präparat in Tablettenform für Hunde und in flüssiger Form für Katzen, das einen Wirkstoff enthält, dass die Entwicklung der Jungflöhe verhindert, indem es die Bildung des für den Insektenpanzer nötigen Chitins unterbindet. Da beim Säugetier nirgendwo im Körper Chitin gebildet wird, kann der Wirkstoff seine hemmende Wirkung hier also nicht entfalten und es gibt auch keine direkte Giftigkeit des Wirkstoffes. Einmal im Monat angewendet, eignet sich dieses Präparat sehr gut, um die Flohverseuchung der Wohnung zu beheben oder zu verhindern. Bei Katzen, die teilweise sehr heikel auf die Medikamenteingabe reagieren, kann man das Präparat auch halbjährlich injizieren. Außerdem sind inzwischen Spot-on-Kombipräparate mit einem insektenabtötenden Wirkstoff und einem Entwicklungshemmer erhältlich.
  7. Umgebungssprays und Fogger: Es gibt eine Reihe von Präparaten, die in einer flohverseuchten Wohnung verteilt werden und somit der Flohplage Herr werden sollen. Entgegen aller gegenteiligen Behauptungen haben diese Mittel keine Wirkung gegen Flohpuppen, so dass auch hier mehrmalige Anwendungen erforderlich sind, wenn es sich nicht gerade um Langzeitpräparate handelt und wer will schon solche Wirkstoffe in der Wohnung haben? Denn bei den wirksamen Bestandteilen handelt es sich häufig um Stoffe aus der Chrysamtheme, die als Pyrethrum oder Pyrethroide bezeichnet werden. Diese Stoffe sind Nervengifte, die nicht nur auf Flöhe wirken, sondern auch auf Wirtstiere und deren Familien. Nach der Anwendung solcher Präparate sind mehrfach bleibende Nervenschädigungen beim Menschen aufgetreten, so dass man auf solche Mittel tunlichst verzichten sollte.
    Andere Mittel enthalten "biologische Wirkstoffe" auf Pflanzenölbasis, die aber eher das Fell der Wirtstiere verkleben als Flöhe abtöten. Ganz wichtig bei Pflanzenpräparaten: Das so beliebte Teebaumöl ist für Katzen schon in kleinen Mengen giftig und kann sogar zum Tode führen!


Wie sollte dann eine vernünftige Flohbekämpfung aussehen?
Solange keine Flöhe da sind, reicht es aus, wenn ganzjährig die Antibabypille gegeben wird, so dass bei Einschleppen von Flöhen gleich die Verseuchung der Wohnung verhindert wird. Bei Flohbefall sollten Mittel in Tabletten- oder Ampullenform eingesetzt werden, eventuell bei starkem Befall vorher auch kurzwirksame Flohtabletten.
Bei manchen Tieren wirkt es auch abschreckend auf die Flöhe, wenn sie regelmäßig Knoblauchzehen verabreicht bekommen. Allerdings muss es sich dabei um Knoblauchzehen und nicht um Knoblauchpillen handeln und der Besitzer muss den Knoblauchgeruch seines Tieres akzeptieren. Auf die Wirkung verlassen sollte man sich allerdings nicht...
Für die Entseuchung der Wohnung empfehlen sich Staubsauger und Dampfreiniger, da damit zumindest ein Teil der Puppen entfernt wird. Die Staubbeutel sollten häufig gewechselt werden, da erwachsene Flöhe (auch aus den aufgesaugten Puppen) sonst wieder in die Wohnung gelangen können.
Flöhe können bei Hund und Katze Bandwürmer übertragen. so dass gleichzeitig mit der Flohbekämpfung immer auch eine Bandwurmbehandlung erfolgen sollte.


Läuse
Im Gegensatz zu den Flöhen kommen Läuse auch bei Tieren vor, die nicht regelmäßig zu einem Nest oder Lager zurückkehren. Das wird dadurch möglich, dass sich sämtliche Entwicklungsstadien der Läuse auf dem Wirtstier befinden: Die Eier, sogenannte Nissen, werden an den Haaren dicht über der Haut festgeklebt und es schlüpfen keine beinlosen Larven wie bei den Flöhen, sondern noch nicht geschlechtsreife Läuse, die schon fast wie erwachsene Tiere aussehen, aber noch kleiner sind. Diese Jungtiere verfügen schon über Greifwerkzeuge, mit denen sie sich im Fell der Wirtstiere festklammern können, außerdem benötigen sie zur Ernährung frisches Blut, so dass sie immer auf dem Wirt bleiben müssen.

Hundelaus Läusebefall


Um zu verhindern, dass der Wirt aufmerksam wird, geben Läuse etwas Speichel in die Stichstelle ab. Dieser Speichel wirkt leicht betäubend und verflüssigt zusätzlich das Blut des Wirtes, so dass die Laus es besser aufsaugen kann. Durch die Giftwirkung des Speichels entstehen Quaddeln, die mit einem erheblichen Juckreiz einhergehen, so dass die Wirtstiere erheblich in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt werden. Bei massenhaftem Befall kann es zu erheblichen Blutverlusten kommen.
Läuse können mit Spot on-Medikamenten in Ampullenform gegen Flöhe behandelt werden, diese Behandlung muss mehrfach wiederholt werden, um auch diejenigen Läuse abzutöten, die zum Zeitpunkt der Erstbehandlung noch durch ihre Eischale geschützt waren. Eine Behandlung der Umgebung ist in der Regel nicht erforderlich.

Haarlinge und Federlinge
Haarlinge und Federlinge haben einen ähnlichen Lebenszyklus wie Läuse, leben also immer auf ihrem Wirt, saugen aber kein Blut, sondern ernähren sich von Hautschuppen. Es kommt also nicht zum Blutverlust oder zum Auftreten von Quaddeln, allerdings stellen Haarlinge und Federlinge bei massenhaftem Befall eine hochgradige Belästigung der Wirtstiere dar und führen alleine durch ihr Herumkrabbeln unter Umständen zu erheblichem Juckreiz.

Haarling Federlingsbefall


Die Behandlung von Haarlingen und Federlingen erfolgt wie diejenige von Läusen.


Mücken
Heimische Mücken sind als Schädlinge für unsere Haustiere nicht von großer Bedeutung, allerdings können die in Südeuropa heimischen Sandmücken Leishmaniose, eine hartnäckige bakterielle Infektion, auf Hunde und - ebenfalls in Südeuropa und den USA - können dort heimische Stechmücken Herzwürmer auf Hunde und Katzen übertragen. Sandmücken, auch als Schmetterlingsmücken bezeichnet, sind winzige Blutsauger, die sich tagsüber an kühlen, feuchten Plätzen wie Kellern, Ställen, Felsspalten oder Nagetierhöhlen verbergen, um dann nachts nach Opfern zu suchen. Dies lässt nur verhindern, wenn man die Mücken nicht mit einem Insektizid abtötet, nachdem sie bereits gestochen haben, sondern einen Wirkstoff einsetzt, der Mücken abwehrt, bevor sie Haar und Hautkontakt haben. Für diesen Zweck zugelassen ist zur Zeit nur Permethrin.

Gefährlich allerdings sind unsere einheimischen Mücken allerdings für Kaninchen, da sie die Hauptüberträger für gefährliche Infektionskrankheiten sind, nämlich für die Myxomatose und die RHD. Daher ist es empfehlenswert, nicht geimpfte Tiere durch Fliegengitter oder ähnliches vor Mücken zu schützen.

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