Kleintierpraxis am Hafen

Dr. med. vet. Micaela Peters, prakt. Tierärztin

     

Haltung und Pflege von Meerschweinchen

Meerschweinchen (Cavia aperea) stammen aus Südamerika, wo sie auf fast dem ganzen Kontinent mit Ausnahme des subarktischen Südens und des tropischen Ostens in den Hochlagen der Anden vorkommen. Sie wurden schon vor mehr als 1000 Jahren von den dort lebenden Indiostämmen, vor allem den Inkas, als Opfertiere und Fleischlieferanten gehalten, was sich durch Mumienfunde in Gräbern belegen lässt. Sie gehören damit zu den ältesten Haustieren Südamerikas.

Wildmeerschweinchen

Die ersten Meerschweinchen kamen schon kurz nach der Entdeckung Amerikas durch die Europäer nach Europa, etwa um 1540. Ob diese Tiere überlebt haben oder weitergezüchtet werden konnten, ist allerdings nicht überliefert.

Durch holländische Kaufleute wurden um 1670 Meerschweinchen aus Surinam nach Europa importiert und diesmal gelang nachweislich die Zucht, denn es wurden schon bald nachgezüchtete Tiere nach Frankreich und England verkauft. Der Name "Meerschweinchen" leitet sich von dem holländischen "Meerzwijn" ab.

Körperbau
Meerschweinchen gehören zu den Nagetieren und haben eine rundliche, untersetzte Gestalt mit einer Körperlänge von 22 - 35 cm. Weibchen erreichen ein Körpergewicht zwischen 600 und 1100 g, Männchen ein Gewicht zwischen 900 und 1800 g.

Die Nase ist abgerundet und stumpf, das Maul klein. Die Tiere haben, wie alle Nager, eine Hasenscharte. Das Meerschweinchen besitzt lange, ausgeprägte Tasthaare an den Oberlippenseiten. Die Ohren sind klein und fast nackt. Das Meerschweinchen hat nur ein Paar Zitzen an der hinteren Bauchwand.

Der Hals ist sehr kurz, was die rundliche Form des Meerschweinchens noch unterstreicht. Einen sichtbaren Schwanz haben die Tiere nicht, wohl aber Schwanzwirbel. Die Beine sind kurz und verhältnismäßig schlank. Das Meerschweinchen ist Zehengänger; an den Vorderfüßen hat es vier, an den Hinterfüßen drei Zehen. Die Krallen sind breit, deshalb werden das Meerschweinchen und seine Verwandten auch "Hufpfötler" genannt.

Das Fell des Wild-Meerschweinchens ist graubraun, unterseits heller, weißlich bis sandfarben. Es besteht aus steifen Grannen und seidenweicher Unterwolle.

Aus der Wildform sind durch Zuchtwahl die verschiedenen Haus-Meerschweinchenrassen hervorgegangen: Das glatthaarige Haus-Meerschweinchen besitzt ein ähnliches Fell wie die wilde Urform, zeigt aber eine erhebliche Variationsbreite in der Färbung. Das Rosetten- oder Strupphaar-Meerschweinchen besitzt viel mehr Grannenhaare. Außerdem sind durch Mutationen (Erbveränderungen) in der Haut Knoten entstanden, durch die es zu Haarwirbeln auf dem ganzen Körper kommt. Das Angora-Meerschweinchen macht keinen Haarwechsel durch - deshalb hat sein Fell eine Länge von 15 cm und mehr.

Glatthaarmeerschweinchen
Rosettenmeerschweinchen
Angorameerschweinchen

Verdauungsapparat
Als Nagetier besitzt das Meerschweinchen zum Abbeissen und Nagen des Futters Nage- beziehungsweise Schneidezähne: je zwei im Ober- und Unterkiefer. Sie sind mit messerscharfen Schneiden ausgerüstet, die sich immer wieder selbst schärfen, weil nur die Vorderseite mit einer harten Schmelzschicht überzogenen ist. Eck- oder Reißzähne sind nicht vorhanden, sondern nur noch je 8 Backenzähne im Ober- und Unterkiefer. Alle Zähne sind wurzellos und wachsen ständig nach; sie müssen also durch Nagen und Kauen abgenutzt werden. Bekommen die Tiere kein hartes Futter, dann können die Zähne zu einer Länge wachsen, die eine Futteraufnahme unmöglich macht.

Im Magen legt sich das Futter in Schichten übereinander und bleibt so für einige Stunden liegen. Der gesamte Durchlauf der Nahrung geht recht langsam vonstatten und dauert von 5 Stunden bis zu 3 Tagen.

Nachdem es den Magen verlassen hat, durchwandert das Futter den etwa 2 m langen Darm. Die Hauptaufgaben der Verdauung werden von im Blinddarm lebenden Bakterien und Einzellern übernommen, ohne die Nagetiere nicht lebensfähig wären. Die Blinddarmflora ist hoch empfindlich gegen bestimmte Antibiotika und daher vertragen auch die Meerschweinchen diese Antibiotika nicht. Werden sie trotzdem eingesetzt, kommt es zu einem Absterben eines Teiles der Darmbakterien, die Folge ist eine Überwachsung durch die Überlebenden und nachfolgend massive Verdauungsstörungen und der sichere Tod für das betroffene Tier. Daher dürfen in keinem Fall Antibiotika für Hund oder Katze ohne vorheriges Nachfragen beim Tierarzt bei Nagetieren eingesetzt werden!

Nagetiere bilden zwei Arten von Kot: Der normale Dickdarmkot wird in Form von länglichen, harten Pillen ausgeschieden, der Blinddarmkot dagegen wird direkt vom After wieder aufgenommen. Er ist weicher als der Dickdarmkot und enthält reichlich B-Vitamine, die von den im Blinddarm lebenden Bakterien gebildet werden. Auf diese Weise versorgt sich das Meerschweinchen selbst mit B-Vitaminen.

Im Gegensatz zu den anderen Heimsäugern können Meerschweinchen nicht selber Vitamin C bilden, sind also auf eine Zufuhr durch das Futter angewiesen.

Haltung
Für Meerschweinchen werden im Zoofachhandel Käfige angeboten, die sich recht gut für die Haltung einzelner Tiere eignen. Die Größe sollte 80 x 40 x 40 cm für ein Tier nicht unterschreiten, für jedes weitere Tier sollte mindestens ein Drittel an Grundfläche hinzukommen.

Als Einstreu eignen sich Sägespäne mit einer dicken Abdeckung aus Heu. Zusätzlich sollte den Tieren täglicher Auslauf im Zimmer gewährt werden. Dabei darf man Meerschweinchen nicht unbeobachtet lassen, denn die Tiere nagen alles an, auch Elektrokabel.

Im Sommer kann man Meerschweinchen auch im oben geschlossenen Freigehege auf dem Rasen halten. Pro Tier wird eine Grundfläche von mindestens einem Quadratmeter benötigt. Außerdem benötigen die Tiere ein Schutzhaus, in das sie sich vor Regen, Sonne oder Sturm zurückziehen können. Nachts und im Winter müssen Meerschweinchen im Haus gehalten werden.

Meerschweinchen sind tagaktiv und eignen sich daher als Haustiere besser als z. B. die dämmerungs- und nachtaktiven Goldhamster. Sie eignen sich recht gut als Kuscheltiere für Kinder, allerdings sollten die Eltern immer darauf achten, dass die Kinder nicht zu grob mit den Tieren umgehen, denn Meerschweinchen beissen in der Regel nicht und wissen sich auch anderweitig nicht zu wehren. Dafür werden sie schnell zahm und erkennen "ihren Menschen" schon von weitem am Schritt oder an der Stimme und rufen dann laut nach ihm.

In der Wildbahn leben Meerschweinchen in Gruppen von vier bis 20 Tieren, die aus Weibchen mit ihrem Nachwuchs und einem einzigen Männchen bestehen. Als Haustiere können mehrere Weibchen problemlos miteinander gehalten werden. Zu dieser Weibchengruppe kann ein Männchen gesetzt werden, das kastriert sein sollte, wenn man nicht züchten will. Mehrere unkastrierte Männchen können nicht gemeinsam gehalten werden, da sie sich bei Rangordnungskämpfen schwere Verletzungen zufügen würden.

Fütterung
Ursprünglich sind Meerschweinchen anspruchslose Gras- und Kräuterfresser, die ohne Kraftfutter (Körner oder Knabberstangen usw.) oder tierisches Eiweiß auskommen können. Daher sollte die Nahrungsgrundlage aus gutem Heu bestehen, das aus einer Raufe gefüttert wird, um Verunreinigungen zu vermeiden.

Dies Grundfutter wird durch Kräuter wie Klee, Löwenzahn, Huflattich, Wegerich und andere ergänzt, im Winter werden Apfel, Birne, Möhren und anderes Obst oder Gemüse zugefüttert.

Kraftfutter sollte nur in kleinen Mengen gegeben werden, ein bis höchstens zwei Teel. am Tag, da die Tiere sonst zu viel Energie erhalten und zu fett werden.

Gefährlich ist eine alleinige Fütterung mit nährstoffarmem Grünfutter wie Salat. Dabei drohen die Tiere trotz reichlicher Futteraufnahme zu verhungern.

Grünfutter verdirbt nach kurzer Zeit, sollte also mindestens einmal täglich erneuert werden, neue Futtermittel sollten langsam eingeführt werden, damit die Darmflora genügend Zeit hat, sich daran zu gewöhnen. Anderenfalls kann es zu Gärungsprozessen mit Blähungen und Durchfall kommen.

Frisches Wasser sollte ständig bereitstehen, am besten in einer Tränkeflasche für Heimtiere.

Fortpflanzung
Weibliche Meerschweinchen werden mit 5 bis 6 Wochen, männliche mit 9 bis 10 Wochen geschlechtsreif, die Tiere sollten aber erst mit 6 Monaten zur Zucht eingesetzt werden. Die weiblichen Tiere werden alle 14 bis 18 Tage brünstig und sind dann für 24 Stunden paarungsbereit. Die Tragezeit dauert 66 bis 68 Tage.

Die zwei bis vier Jungen werden weit entwickelt geboren: Als Nestflüchter haben sie die Augen geöffnet und können sofort laufen. Sie verlieren bereits im Mutterleib die Milchzähne und bekommen die bleibenden Zähne, fressen auch sofort Heu und Grünfutter.

Meerschweinchen mit Jungen

Zwar werden junge Meerschweinchen 3 Wochen gesäugt, können aber, wenn sie ihre Mutter verlieren, auch ohne Muttermilch aufgezogen werden. Meerschweinchen sind mit etwa 10 - 12 Monaten ausgewachsen und erreichen ein durchschnittliches Höchstalter von 6 - 8 Jahren.

Das Weibchen kann unmittelbar nach der Geburt wieder gedeckt werden. Dadurch wird es möglich, dass ein einziges Weibchen bis zu viermal im Jahr werfen kann. Dies ist als Anpassung an das Leben in offenem Gelände ohne Bruthöhlen und als Nestflüchter zu betrachten, denn bei dieser Lebensweise sind hohe Verluste durch Beutegreifer zu verzeichnen.

Krankheiten
An Infektionen ist vor allem die Meerschweinchenlähme wichtig, eine Viruserkrankung, die von Tier zu Tier übertragen wird. Erkrankte Tiere sind lustlos, magern ab und zeigen Atemnot und Lähmungen der Hinterbeine. Nach einer bis vier Wochen gehen die Tiere unter Krämpfen ein. Da es sich um eine Viruserkrankung handelt, ist eine ursächliche Therapie nicht möglich, lediglich durch optimale Haltung kann man versuchen, erkrankte Tiere in die Lage zu versetzen, selbst mit dem Virus fertig zu werden. Eine Impfung ist nicht möglich.

Die meisten Meerschweinchen, die einem Tierarzt vorgestellt werden, leiden an Erkrankungen der Zähne und der Mundhöhle, aber auch ein Befall mit Parasiten der Haut durch Milben oder Haarlinge tritt häufig auf.

Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle der Pfoten, denn wenn die Tiere nicht genug Bewegung haben, können die Krallen sehr lang werden und rund wachsen. Dadurch müssen die Tiere die Pfoten verdrehen und können nicht mehr richtig laufen. In solchen Fällen müssen die Krallen regelmäßig gekürzt werden, durch den Besitzer - das ist gar nicht so schwer - oder durch den Tierarzt.

Ballenabszesse und Korkenzieherkrallen

Gut genährte Meerschweinchen leiden vielfach an Entzündungen oder Abszessen der Ballen an den Pfoten. Durch das erhöhte Gewicht ist die Hornhaut der Pfoten überbelastet, wird dünn und neigt dazu, sich nach kleinen Verletzungen durch harte Einstreu oder Drahtboden zu entzünden. Die Therapie ist langwierig und führt nicht immer zum Erfolg. Als Vorbeugung ist darauf zu achten, die Meerschweinchen schlank und beweglich zu halten, außerdem sollte auf weiche Einstreu geachtet werden.

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