Kleintierpraxis am Hafen

Dr. med. vet. Micaela Peters, prakt. Tierärztin

     

Wenn Tiere in die Jahre kommen

Dank guter Pflege und Ernährung werden unsere Haustiere immer älter. Damit sie dabei möglichst gesund bleiben, empfiehlt sich ab einem bestimmten Alter, wie bei uns Menschen auch, eine regelmäßige Gesundheitskontrolle.

Wann ist ein Tier "alt"?
Im Allgemeinen werden große und sehr kleine Hunde nicht so alt wie mittelgroße oder kleine. So ist z. B. ein Schäferhund mit etwa 9 Jahren einem 70-jährigen Menschen vergleichbar, während ein Dackel diesen Altersstand erst mit etwa 13 Jahren erreicht. Katzen erleben ihren "70sten" erst mit ungefähr 14 Jahren, wohingegen Hamster oder Ratten das Seniorenalter schon mit 2 1/2 Jahren erreichen. Kaninchen und Meerschweinchen sind mit 7 bis 8 Jahren als "alt" zu bezeichnen. "Alter" ist also sehr stark art- und rasseabhängig. Ihre Tierarztpraxis hilft Ihnen gern bei der Altersbestimmung für Ihr Tier.

Leider ist es bei unseren kleinen Haustieren nicht wie bei Pferden möglich, anhand des Zahnzustandes ein ziemlich genaues Lebensalter zu ermitteln. Als Hilfsmittel zur Alterbestimmung werden bei Kleintieren der Zustand der Zähne, des Felles und der Allgemeinzustand herangezogen. Diese Angaben können aber immer nur Näherungswerte sein, eine genaue Altersangabe ist bei ausgewachsenen Tieren nur anhand des Geburtsdatums möglich.


Im ersten Lebensjahr geht bei Hund und Katze die Entwicklung sehr schnell. Die Geschlechts- und Fortpflanzungsreife ist mit 9 - 15 Monaten bei Hunden, bei Katzen teilweise schon deutlich eher, ab dem 6. Lebensmonat, erreicht. Das entspricht einem Menschen mit 15 - 17 Jahren. Danach flacht die Alterskurve ab, so dass ein Hund jedes Jahr nur noch 3 - 5 Menschenjahre altert.

Was ist bei alten Tieren anders als bei jungen?
Es gibt deutlich sichtbare Veränderungen, die ein häufiger Anlass sind, sich mit dem Altwerden des eigenen Haustieres auseinanderzusetzen. Dazu gehören altersbedingte Linsentrübungen beim Hund, seltener auch bei der Katze, oder schlechter Geruch aus dem Maul durch Zahnerkrankungen wie vermehrter Zahnstein oder schadhafte Zähne. Tiere bekommen aber, genau wie Menschen, oft gesundheitliche Probleme, die nicht auf den ersten Blick offensichtlich sind. Alle alternden Organe sind irgendwann nicht mehr in der Lage, dieselben Hochleistung wie im jugendlichen Alter zu erbringen. So findet man ab einem Alter von etwa 8 Jahren beim großen Hund bzw. 10 Jahren beim kleinen Hund oder bei der Katze, zunehmend Verschleißerscheinungen am Herzen, an den Nieren, an der Leber und an den Knochen. Auch Diabetes (Zuckerkrankheit) wird vor allem bei älteren Tieren angetroffen.

Viele ältere Tiere sind, entweder, weil sie schon geringfügige Organschäden haben, oder weil man ihnen keine "jugendliche" Leistung (wie etwa den zweistündigen Spaziergang) mehr abfordert, mittel bis stark übergewichtig. Oft bekommen sie, obwohl ihr Energiebedarf im Alter viel geringer ist, weiterhin dieselbe Futtermenge wie als Jungtier. Übermäßig viel Körperfett aber verschlechtert zusätzlich die Organfunktionen und senkt die Lebenserwartung.Speziell bei älteren, übergewichtigen Katern, die mit Trockenfutter ernährt wurden, kann es öfter zu lebensbedrohenden Verstopfungen der Harnröhre mit Harngries oder Blasensteinen kommen. Mit zunehmendem Alter findet man auch bei Tieren häufiger Krebserkrankungen der Lunge, des Gesäuges oder der Haut.

Was kann ich tun, damit ein Hund oder eine Katze möglichst lange gesund bleibt?
Die wichtigste Maßnahme ist, neben der regelmäßigen Entwurmung für Hunde und Katzen und der jährlichen Impfung bei Hunden, Katzen und Kaninchen, die genaue Beobachtung Ihres Tieres. Schon kleine Veränderungen, die einem vielleicht eher nebensächlich erscheinen, können auf schwerwiegende Probleme hindeuten:

  • So ist z.B. ein leichter Husten morgens ein erster Hinweis auf eine Herzerkrankung.
  • Erhöhter Durst kann auf mehrere Erkrankungen hindeuten: Dahinter kann sich ein harmloser Infekt, eine Gebärmuttervereiterung, ein Nieren- oder Leberleiden oder auch eine der beiden Formen der Zuckerkrankheit verbergen!
  • Fällt Ihnen auf, dass Ihr Tier schlecht aufstehen kann oder nicht mehr so gerne springt? Auch Tiere bekommen altersbedingte Arthrosen!
  • Fühlen Sie beim Bürsten Knoten oder Knubbel, wo vorher keine waren? Möglicherweise ein Grützbeutel, vielleicht aber auch ein Tumor!

Wenn Sie selbst solche ersten Anzeichen zum Anlass nehmen, Ihr Tier zur Untersuchung in eine Tierarztpraxis zu bringen, kann durch weiterführende Diagnosemethoden wie Blut- und Urinuntersuchungen, Röntgen, EKG oder Ultraschall, die Erkrankung oft noch so rechtzeitig erkannt werden, dass eine wirkungsvolle Behandlung die Lebensqualität Ihres Tieres entscheidend verbessern kann. Ein Hund mit Arthrosen kann mit entsprechenden Medikamenten wieder weitgehend schmerzfrei laufen; Ein herzkrankes Tier bekommt durch eine kleine Herztablette pro Tag plötzlich wieder Lust, spazieren zu gehen. Leber- und nierenkranke Tiere werden mit entsprechender rechtzeitiger Futterumstellung oft noch einige Jahre älter.

Allerdings: Das Altern aufhalten kann auch die Tiermedizin nicht!
Um sicherzugehen, bieten viele Tierärztinnen und Tierärzte für Ihr Tier eine Alters–Vorsorgeuntersuchung, zum Beispiel im Rahmen der jährlichen Impfung, an. Diese beinhaltet neben der gründlichen allgemeinen Untersuchung auch die Erstellung eines sogenannten "Blutprofils", das aus dem Blutbild und Nieren-, Leber-, eventuell Tumorwerten und der Messung des Blutzuckers besteht. Für diese Untersuchung muss Ihr Tier nüchtern sein, genau wie wir Menschen auch. Zur Untersuchung gehört bei Hund und Katze auch ein Harnstatus, der Auskunft über die Nierenfunktion gibt. Fangen Sie den Urin Ihres Hundes mit einem alten Suppenteller auf und füllen Sie ihn in ein Schraubglas. Sollten sich bei diesen Untersuchungen Anhaltspunkte für eine Alterserkrankung ergeben, werden in Zusammenarbeit mit Ihnen weitere Untersuchungen durchgeführt und Therapiemaßnahmen erarbeitet.

Zusammenfassung:

  • Durch genaue Beobachtung, richtige, energieangepasste Ernährung und richtige Pflege können auch Tiere sehr alt werden.
  • Alarmsignale für einen baldigen Tierarztbesuch sind morgendliches Hüsteln, vermehrter Durst, undefinierbare "Knubbel", unlustiges Laufen und Schwierigkeiten beim Aufstehen.
  • Eine jährliche Altersvorsorge-Untersuchung schützt Sie vor bösen Überraschungen und verhilft Ihrem Tier zu einer besseren Lebensqualität im Alter.

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